Altersarmut

Mit 19,5 % aller Rentnerhaushalte gilt 2019 fast jeder Fünfte als armutsgefährdet. Das Standardrentenniveau vor Steuern liegt heute bei 48 % des letzten Nettogehalts. Im Jahr 2030 wird nach derzeitigem Stand ein Standardrentenniveau vor Steuern von 43 % des letzten Nettogehalts erreicht sein. Rund 40 % der Bürger werden dann von Altersarmut betroffen sein, weil sie von weniger als 800 € im Monat, die sie als gesetzliche Altersrente erhalten, leben müssen. Die Sicherung und Aufrechterhaltung des Lebensstandards, wie in der Zeit der Berufstätigkeit, bedeutet heute schon für jeden fünften und ab 2030 für mehr als jeden dritten Rentner eine Unmöglichkeit. Eine weitere Verelendung ist die zwangsläufige Folge, wenn nicht gegengesteuert wird. Ältere Mitmenschen, die heute schon in Abfallbehältern nach Pfandflaschen suchen, werden dann um ältere Mitmenschen, die sich massenhaft bei den Tafeln einfinden, um nicht zu hungern, ergänzt.

Darüber hinaus ist ein weiterer Anstieg des Renteneintrittsalters zu erwarten. Wer aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten kann, dem wird die ohnehin schon geringe Rente zusätzlich gekürzt. Die Riester- wie auch die Rürup-Rente haben nicht das gehalten, was die Schröder-Regierung versprochen hat.

Ein großer Teil der Berufstätigen ist aufgrund zu geringen Einkommens ohnehin nicht in der Lage, private Vorsorge für das Alter zu betreiben. Die Folge davon ist, dass viele Menschen nach dem Erwerbsleben in die Grundsicherung fallen, obwohl sie jahrzehntelang gearbeitet haben. Derzeit leben knapp drei Millionen Rentner in Armut oder sind von ihr bedroht – mit steigender Tendenz. Wer Leistung erbringt, soll auch entsprechend entlohnt werden. Das zu Recht tief verankerte moralische Prinzip der Leistungsgerechtigkeit in der deutschen Gesellschaft muss im bestehenden Rentensystem endlich wieder umgesetzt werden. Als Anerkennung ihrer Lebensleistung im Alter müssen Arbeitnehmer, die jahrzehntelang in die Rentenversicherung eingezahlt haben, ein deutlich höheres Leistungsniveau beanspruchen können als Menschen, die ohne körperliche und geistige Beeinträchtigung vollständig oder überwiegend von staatlichen Transferleistungen gelebt haben.

Die Altersrente darf nicht zu einer Grundsicherung im Alter verkommen, die die Menschen in die Armut treibt. Sie soll der verdiente Lohn für die gesamte Lebensarbeitsleistung unserer Staatsbürger darstellen, die Jahrzehnte lang ihre Beiträge geleistet haben. Altersrentner, die über viele Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, müssen endlich wieder einen gesicherten Anspruch auf eine lebensstandarderhaltende Altersrente haben.